Freitag, Juni 8

1. und 2. Lagebericht Cherbourg

Cherbourg ist in seiner kulturellen Attraktivitaet ungefaehr mit Voelklingen zu vergleichen. Es gibt ein Kino, ein Tourismusbuero und ein Theater, in das ich heute gehen wollte, es aber a) keine Karten mehr gab und b) noch nicht einmal eine Studentenermaessigung gab (und 12€ fuer ein Kinderstueck wollt ich dann doch nicht ausgeben).
Ansonsten hat Cherbourg einen Hafen und eine Jugendherberge, mein zu Hause fuer die naechsten 3 Wochen inkl. einem suuper lieben Herbergsvater, dermir schon meine Pflanzen vor dem Tod gerettet hat, mir endlich das Internet eingerichtet hat, extra fuer mich Pfirsichsirup kauft und ausserdem hat er mir ein uebriggebliebenes Croissant geschenkt, was ihn natuerlich unsterblich fuer mich macht. Kurzum, in der JH gehts mir prima bestens.

Auf dem Weg von der JH in die Innenstadt laeuft man an mehr leeren als besetzten Ladenlokalen vorbei, was recht traurig ist und dem Stadtbild nicht wirklich positiv zu Gute kommt. In der Fussgaengerzone werden um 18.30 die von Hundescheisse uebersaeten Buergersteige hochgeklappt. Was einem dann noch als Alternative bleibt ist der Buecherladen, der bis 19 Uhr dem Kunden zur Verfuegung steht. Aus Mangel an Internet komme ich tatsaechlich dazu, den Buchhaendler tatkraeftig zu unterstuetzen, es ist jq o zenig los hier; dqss mqn einfqch lesen ,usss! meine buecher werden auch schon nicht ,ehr nqch inhalt oder qutor; sondern nur noch nqch dicke qusgesucht:

mein praktikum ist auch nicht zirklich der Bringer. Gestern war mein erster Tag, ich stand also um 8 uhr auf der Matte und ich wurde vom Chef persoenlich an der Pforte abgeholt, was ich schonmal sehr edel fand. Dann bin ich mit meinem Verantwortlichen (M. Madec) in seine Deutschstunde gestiefelt und hab am Ende ganz hoffnungsvoll gefragt, in welche Klasse wir jetzt gingen. Er enttaeuschte mich ganz schoen in dem er sagte, dass das seine einzige Stunde fuer heute gewesen sei. Dann haben wir also nach Unterhaltung fuer mich gesucht, erst im Lehrerzimmer des collège, dann in dem Lycée, in dem er auch unterrichtet. Es scheint nur leider, als sei der gute Mann bald arbeitslos, weil keiner mehr Deutsch lernen will.

edit 8 Juni: Das Lycée ist fuer mich gestorben, da geht gar nichts mehr an Unterricht, nur noch Klausuren. Am Collège hab ich mich ganz gut eingefunden; wenn auch noch nicht zurecht; so verlauf ich mich nach 5 Tagen immernoch in den Gaengen auf dem Weg zum Lehrerzimmer...
Gestern und heute den ganzen tag eine Klasse begleitet und gemerkt, dass Mathe gar nicht soo ein Arschloch ist und ich sogar noch Vektoren ausrechen kann; und dass Altgriechisch ganz schoen sexy sein kann! WOW!!!

Heute Nachmittqg hab ich 2 Kanadier aus der JH angelabert, ob sie nicht Lust haben einen Ausflug in das kleine Haus von Jacques Prevert zu besuchen und sie waren sofort hqppy und dankbar, mal rauszukommen. Kelly und Mat sindniedlich verpeilt, was sie sehr liebenswert macht: So muessen sie zB bis Dienstqg in diesem Loch bleiben, weil sie verpeilt haben, dass die Faehre, mit der sie nach Irland uebersetzen wollen, erst dienstag faehrt, noch unheimlich teuer ist und ca 19 h braucht: umso besser fuer mich; denn dann koennen wir weiter so coole Touren machen wie heute in dieses kleine normannische, idyllische Kaff von dem sie einfach nicht glauben wollten, dass in diesen Hausern noch tatsaechlich Menschen wohnen! :-)


so long, fuck you (o-Ton Mat)

jule

ps: alle, die das Beduerfnis verspuehren, mich anzurufen, koennen das von ca 21 bis 22 Uhr probieren. Ich hab kein Ladegeraet hier und muss demzufolge haushalten!!!